2018-05-20 Konfirmation

Konfirmation                    Pfingstsonntag                                20. Mai 2018

„Wo geht’s hier zum Leben?“ – nicht mit Worten habt ihr mich das gefragt. Aber ich habe in manchen Konfirmandenstunden gemerkt: diese jungen Leute zappeln vor Ungeduld. Mit Leib und Seele wollt ihr euch reinstürzen ins Leben und herausfinden, wer ihr seid, was ihr könnt, wer euch liebt, was euch Halt gibt. - Als ihr dann eure Leitworte zur Konfirmation aus der Bibel ausgesucht habt, da habt ihr gespürt: das ist gar nicht so einfach. Doch ihr fandet Worte, die werden auch noch Kraft haben, wenn ihr in fünfzig Jahren eure Goldene Konfirmation feiert.

Aljoscha:             Ich will dich segnen und dir einen großen Namen

                               machen, und du sollst ein Segen sein. (Gen 12, 2)

Abraham hat das als erster von Gott gehört. Und dann hieß es für ihn: Los, einpacken und aufbrechen! – Wohin? – Das zeig ich dir schon noch, geh einfach mal los. – Ohne dass ich das Ziel weiß? – Ja, so ist das Leben, sagt ihm Gott, sagt Gott zu dir, Aljoscha: Fürs Leben gibt’s keine Landkarte im Voraus. Aber es gibt meinen Segen. Segen bedeutet: Gott ist mit dabei. Jeden Tag neu. Gott schenkt dir, dass es gut wird, auch wenn du mal durch ungute Erfahrungen durchmusst. Und was Gott schenkt, das ist wie Hefe im Teig: da kommt was in Bewegung. Das ist wie ein Same, der in dir ausgesät wird: da wächst was neues, was nur durch dich in die Welt kommen kann. Deshalb sagt Gott als nächstes: Indem ich dich segne, wirst du selbst zum Segen für andere. Tolle Perspektive: Gott will dich brauchen, damit sein Segen sich ausbreitet auf der Welt.

Abraham hätte auch sagen können: Ich geh nicht los, ich hab Angst. Für dieses Gefühl, dass du ziemlich oft auch Mut brauchst im Leben, hat Emilia das richtige Wort gefunden:

Emilia:                  Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht,

                               sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

                               (2. Tim 1, 7)

Als ich so alt war wie ihr, war der Sportunterricht noch eher etwas militärisch. Meine Klassenkameraden haben mich immer verspottet, ich würde beim Schwimmen wie ein strampelnder Bleiklotz im Wasser liegen. Als wir mal Sprungübungen machen mussten, hatte ich echt Angst auf dem hohen Brett. Der Sportlehrer schrie herauf: Spring doch, du Feigling! – Ganz anders macht es Gott, wenn wir Angst haben. Er schreit uns nicht an, nimm dich halt zusammen! Sondern sagt: Komm, du kriegst was von mir. Ich schenk dir auf deinem Weg ins Unbekannte ein Proviantpaket für die Seele: Ich schenk dir einen neuen Geist. Ich lass dich nicht allein strampeln im Leben, sagt Gott zu dir, Emilia. Immer wenn du Mut brauchst oder deine Wut einfangen musst und besonnen reagieren, mach dir klar: Gott umarmt dich voller Liebe. Bei ihm bist du geborgen. Und wer geborgen ist, traut sich mehr und hält auch mehr aus. Weil er spürt: da ist Gott mit dabei. So wie ihr nachher, wenn die Hände des Pfarrers euch segnen, spüren sollt: Gott ist und bleibt mit dabei in meinem Leben.  Er schenkt mir Kraft, Liebe, Besonnenheit und vieles mehr.

Wieviel Selfies habt ihr eigentlich schon von euch gemacht? Dabei lächelt ihr ja und setzt euch in Pose. Denn ihr wollt gut rüberkommen, wenn ihr es den Freunden oder der Familie postet. Der Denkspruch von Karl sagt: das, was wir im Selfie zeigen, ist längst nicht alles von uns.

Karl:      Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das

                Herz an.               (1. Sam 16, 7)

Das hat der Prophet Samuel von Gott gesagt bekommen, als er den größten der Söhne des Isai zum König salben wollte – einen Prachtskerl. Aber es lief auf den Jüngsten hinaus, David. Der war noch so klein, dass er die schwere Eisenrüstung im Kampf gegen den Riesen Goliath nicht tragen konnte. Genau der wurde von Gott zum König erwählt. Weil er eben nicht sagte: Ich bin der Größte, folgt mir blind, dann mach ich euch „great again“… Er wurde ein Politiker, der sich getraut hat, im Dienst zu beten. Der Psalm vom guten Hirten und viele andere Psalmen werden dem David zugeschrieben. Er wurde aber auch ein Mensch, der seine Fehler zugeben konnte, weil er sich ehrlich und selbstkritisch angeschaut hat. – Ein Wort für Leute, die Verantwortung tragen und mit Macht umgehen müssen, ist mir dieses Bibelwort. Sich nicht von dem blenden lassen, was man auf den ersten Blick sieht. Sondern dranbleiben, nachfragen, kritisch sein und selbstkritisch: und das alles nicht nur mit Köpfchen, sondern mit Herz: denn Gott sieht unser Herz an. Glasklar sieht er, was los ist – und zugleich voller Liebe und Barmherzigkeit.

„Wo war denn der liebe Gott, als Menschen gestorben sind, die ich liebhatte?“ „Wo ist er denn, wenn es so viele Kriege und Elend gibt?“ das habt ihr bei manchen Gelegenheiten gefragt. Weil ihr spürt: das Dunkle, das Böse ist mächtig. Lisa hat da ein gutes Leitwort gefunden:

Lisa:       Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde

                das Böse mit Gutem.      (Röm 12, 21)

Ihr wachst in einer Zeit auf, wo böse Worte und Gedanken immer ungehemmter verbreitet werden in sogenannten sozialen Medien. Die machen die Leute aber oft unsozial, erfüllen sie mit Hass und Egoismus. Ihr habt vielleicht schon mal erlebt, wie schwer es ist, zu widersprechen, wenn sich alle in der Klasse auf jemanden einschießen: einen Kameraden oder manchmal auch einen Lehrer. Paulus im Römerbrief sagt: Weil du getauft bist, bist du von Gott gestärkt, bist konfirmiert und kriegst eine geistliche Schutzimpfung. Böse Worte, miese Stimmung, schlimme Ideen dürfen dich nicht anstecken und deine Seele „versauen“. Sondern Gott verspricht dir: Halte dich an mich, ans Gute, so verbreitest du Frieden im Streit. Und hilfst mit, dass die Leute entdecken: Ja, mit Gott geht’s wirklich zum Leben! J