„Unser tägliches Brot gib uns heute“

Matthäus 6, 11

 Kindheitserinnerungen: meine Großmutter, immer mit blaugestreifter Schürze unterwegs, das Kopftuch über den Haaren hinten verknotet – die Großmutter nimmt sich einen Laib Bauernbrot zur Brust, fährt mit einem großen Messer behände durch das knusprige Rund, streicht selbstgefertigte Butter auf die duftende Schnitte – und gibt sie mir zu Essen. Brot – das Wort „Urlaub auf dem Bauernhof“ war damals noch gar nicht erfunden. Es war schlicht die Heimat des Vaters – nah am Brot, und wie es entsteht.

Der Student dann – die deutsch-französische Freundschaft war jüngst besiegelt worden: und zur kultivierten Lebensart gehörte für uns Heranwachsende fortan nicht nur ein 2CV-Auto, das ich leider nie besaß, und die kräftige „Gauloises“-Zigarette, die ich nur paar Mal rauchte, bevor ich auf leichtere Sorten umstieg. Nein, vor allem die „Baguette“ öffnete meinen Horizont ins Europäische: es sah so elegant aus, wenn man sie lässig schwingend wie ein essbares Florett vom Bäcker in die Studentenbude trug. Sie dufteten nach Überfluss, die schräg angeschnittenen Knusperscheiben, so weich, so verwöhnend, - Brot weniger zur Sättigung. Vielmehr Unterlage für den Camembert und Geschmacksverstärker für den Burgunder, dem wir kräftig zusprachen.

Der in die Jahre gekommene Pfarrer: macht eine Exerzitienreise durch die Wüste Sinai. Wir suchen Stille, schlafen im Freien unterm Sternenhimmel, der die Seele entrückt in seiner Schönheit. Die Beduinen, die uns begleiten, machen ein Feuer zwischen Steinen. Legen eine rundgewölbte Metallscheibe darüber und streichen Teig darauf. Nach wenigen Minuten ist das Fladenbrot fertig, wird halbiert, zur Tüte gefaltet, mit köstlichem Fleisch und Gemüse gefüllt. Und mein Dahindämmern in der Mittagshitze weicht neuen Lebensgeistern. – Brot bekommen in der Wüste - plötzlich ist vor meinem inneren Auge ein Wüsten-König, Melchisedek. Der trägt nicht Szepter oder Schwert. Sondern der trägt Brot in den Händen, Fladenbrot, zusammen mit einem Weinkrug: und reicht es dem Fremden, einem Nomaden, der kein Bleiberecht hat, sondern auf Duldung angewiesen ist. Abraham heißt der Fremde. Er bekommt das Königlichste und Heiligste, was Menschen einander geben können: Brot – und Aufenthaltsrecht. (Gen 14, 17ff)

Warum sollen wir ums Brot bitten? Sogar an erster Stelle, und offenbar jeden Tag von neuem: „Unser tägliches Brot gib uns heute“, lehrt Jesus beten. Die drei Bitten, mit denen das Vaterunser beginnt, wenden unsern Blick zu Gott: zu seinem heiligen Namen; zu seinem Friedensreich, das wir erhoffen; zu seinem Willen, der geschehe: das meint sein unbedingtes Wohlwollen uns gegenüber. Erst wenn unsere Seele so ausgerichtet ist auf den Schöpfer und heiligen Grund des Lebens, - erst dann macht es für Jesus offenbar Sinn, für unsere eigenen Belange zu beten. Und da vorrangig ums tägliche Brot. – Ich habe lange Zeit Schwierigkeiten gehabt, um so konkrete Dinge zu bitten wie das Brot auf dem Tisch. Kam mir klein vor, vielleicht auch seelenfaul: Nicht für alles ist Gott zuständig; für das meiste im Leben musst du schon selber die Hände regen und dein Köpfchen anstrengen. Inzwischen ahne ich: Bitten heißt nicht, Gott darüber informieren, was ich brauche. Das weiß er sowieso. Und er gönnt mir von Herzen alles, was mein Leben erhält. Nein, wenn Jesus mich lehrt, ums tägliche Brot zu bitten, so trainiert das meine Seele. Indem ich die Bitte ausspreche, werde ich empfangsbereit: bekenne mich vor Gott und mir selbst dazu, dass ich ein bedürftiger Mensch bin und bleibe. Und dass ich Gott als Ur-Grund aller Lebensgaben so nötig habe wie die Luft zum Atmen. Damit bin ich in Beziehung, auch zum Brot und allem, was dazugehört. Es ist nicht nur ein „Mittel“ zum Zweck, ein Lebensmittel, wie wir sagen. Es ist vielmehr Verkörperung von etwas Heiligem: Gott ist Brot. Und macht uns satt.

Wirklich? muss ich hier fragen, wenn ich an die Somalier denke, die im Mittelmeer ertrinken, weil sie vor dem Verhungern davonlaufen wollten und der Gewalt und den Kriegen auf ihrem Kontinent entrinnen. Gott ist Brot. Aber nicht alle werden satt oder können überleben. – Wenn ich diese beiden Wahrheiten nebeneinander halte – Gott und unsere Realität auf Erden, dann merke ich: Es ist sowas von nötig und gut, dass Jesus mit seiner Vaterunserbitte uns etwas in den Mund legt, quer wie eine Gräte. Nämlich das Wörtlein „uns“. Unser tägliches Brot. Kein Kind bittet so, sondern sagt: Gib mir ein Spielzeug, ich will ein Eis. Und in der Erwachsenenwelt heißt es: Geiz ist geil, denn mein eigener Vorteil ist mein Gott! „Unser Brot“?! – soll ich etwa Hüter sein des Hungers meines Menschenbruders oder der Schwester neben mir? Unser tägliches Brot? – Ich glaube: an diesem Wörtlein und der entsprechenden Haltung entscheidet es sich, ob wir Gott empfangen oder ob wir Gott verderben in unserm Leben. Gott ist Brot. Aber nur, indem er „unser“ Brot ist, in Stücke gebrochen und geteilt mit anderen. Wird dagegen das tägliche Brot gehortet und immer mehr angehäuft in den Händen und auf den Bankkonten weniger, die nicht genug kriegen können: dann ist es der Gegengott. Was dem Leben dienen soll, ist dann kein Segen mehr, sondern Ursache zu Neid, zu Angst, Verteilungskämpfen, Krieg.

So gibt mir Jesus viel zu denken und zu danken mit dieser kleinen Vaterunser-Bitte. Und ich glaub auch, dass Martin Luther ganz in seinem Sinne die Linien noch weiter auszieht: Es geht für ihn bei dieser Bitte nämlich nicht nur um unser persönliches Leben und Auskommen. Sondern um die nötigen Bedingungen dazu: dass wir eine gute Regierung wählen, dass die Mächtigen fürs Gemeinwohl verantwortlich sind, dass den Feinden widerstanden wird, die zu Neid und nationalem Egoismus aufrufen. Luther drückt es in seinem Großen Katechismus (1529) so aus:

So ist es wohl das allernötigste, für weltliche Obrigkeit und Regiment zu bitten, durch das uns Gott allermeist unser täglich Brot und alle Annehmlichkeit dieses Lebens erhält. Denn ob wir gleich alle Güter von Gott die Fülle bekommen haben, so können wir doch davon keines behalten oder sicher und fröhlich gebrauchen, wo er uns nicht ein beständig, friedlich Regiment gäbe. Denn wo Unfried, Hader und Krieg ist, da ist das täglich Brot schon genommen.

Davor bewahre uns Gott und helfe uns, all das zu tun, was in unserer Verantwortung liegt - fürs tägliche Brot.

 

Pfarrer Hans-Frieder Rabus

 

 

Matej 6, 11 „Hleb naš nasušni daj nam danas

 

Sećanje iz detinjstva: moja baka, uvek je imala kecelju sa plavim prugama, maramu na glavi koju je vezivala pozadi – baka uzme kotur seljačkog hleba, prisloni ga na grudi, uzme veliki nož i njime prođe kroz rskavi krug, namaže domaći puter na mirisnu krišku – i pruži mi da je pojedem. Hleb – reč „Seoski turizam“ tada još nije bila izmišljena. To je jednostavno bio zavičaj mog oca – blizu hleba, pa kako bude.

Zatim, student – Nemačko-Francusko prijateljstvo tek što je bilo zaključeno: u kultivisani način života, za nas koji smo tada odrastali, podrazumevao se ne samo Spaček, koji ja nažalost nisam imao, ili jake Guloaz cigare, koje sam samo nekoliko puta probao, pre nego što sam prešao na blaže varijante. Ne, pre svega toga „Baguette“ je taj koje je otvorio moj horizont ka Evropi: za mene je on tako elegantno izgledao, kada se opušteno kao neka jestiva folija iz pekare ponese u studentski stan. Mirisao je na obilje, koso sečene rskave kriške, tako meke, razgaljujuće, - hleb koji baš ne služi da zasiti, već više kao podloga za sir Camembert i kao doprinos ukusa za Burgunder-vino, koje smo obilato koristili.

Već u godine zašao sveštenik: odlazi na put u osamu kroz pustinju Sinaj. Tražimo tišinu, spavamo pod otvorenim zvezdanim nebom, koje nadahnjuje dušu svojom lepotom. Beduini koji nas prate, pale vatricu između kamenja. Postave okruglu iskrivljenu limenu ploču iznad vatre i razvuku testo po njoj. Posle nekoliko minuta gotov je pita-hleb, koja se prepolovi, savije kao džep, napuni sočnim mesom i povrćem. Dremka za vreme podnevne vrućine, uzmiče pred novim daškom života. - Dobiti hleb u sred pustinje – iznenada, pred mojim očima je Kralj pustinje - Melhisedek. On ne nosi kraljevsku palicu ili mač. Već nosi hleb u rukama, pitu-hleb, zajedno sa krčagom vina: i pruža neznancu, nomadu, koji nema pravo na boravak, već zavisi od tolerancije. Stranac se zove Avram. Dobija ono što je naveće u kraljevstvu i ono što je najsvetije, što ljudi mogu jedni drugima da pruže: hleb – i pravo na boravak. (1. Moj. 14,17… )

Zašto treba da molimo za hleb? I to čak na prvom mestu, a očigledno i svaki dan iznova: „Hleb naš nasušni daj nam danas“, uči nas Isus da molimo. Tri molitve kojima počinje Očenaš, usmeravaju naš pogled ka Bogu: ka njegovom svetom imenu; ka njegovom carstvu mira, kome se nadamo; ka njegovoj volji, koja se dešava: to podrazumeva njegova neizostavna dobra volja prema nama. Tek kada je naša duša tako usmerena ka Tvorcu i svetoj osnovi života, - izgleda da tek onda, za Isusa ima smisla, da se molimo za naše brige i to pre svega za svakodnevni hleb. – Dugo sam imao problema da se molim za tako konkretne stvari kao što je hleb na stolu. To mi je izgledalo tako malo, možda je to bila i neka lenjost duše: nije Bog nadležan za sve; za većinu stvari u svom životu moraš sam da se potrudiš. U međuvremenu slutim: moliti ne znači informisati Boga o mojim potrebama. On to svejedno zna i od srca mi pruža sve što čini moj život. Kada me Isus uči da molim za svakodnevni hleb, to vežba moju dušu. Kada izgovorim molitvu, postajem spreman da primim: pred Bogom i pred sobom priznajem da sam čovek u potrebi i da to i ostajem. Kao i da je Bog, pra-početak svih darova života, meni neophodan kao vazduh koji dišem. Na taj način ja sam u vezi, i sa hlebom i svim što uz to ide. Hleb nije samo „sredstvo“, prehrambena namernica kao što mi to kažemo. On mnogo pre predstavlja otelotvorenje nečeg svetog: Bog je hleb. On nas siti.

Zaista? Moram ovde da se zapitam kada pomislim na ljude iz Somalije koji su se utopili u Sredozemnom moru, jer su hteli da pobegnu od gladi i od nasilja, rata na njihovom kontinentu. Bog je hleb. Ali ne zasite se svi ili ne prežive svi. – Kada te dve istine postavim jednu uz drugu – Boga i našu realnost na zemlji, primećujem: Toliko je neophodno i dobro da nam Isus svojim Očenaš u usta polaže nešto kao riblju kost. Naime, rečicu „naš“. Hleb naš nasušni. Nijedno dete tako ne moli, već kaže: „Daj mi igračku, hoću (ja) sladoled. Dok u svetu odraslih to zvuči: uskogrudost je strava, moja sopstvena prednost je moj bog! „Naš hleb“?! – zar ja treba da čuvam gladi svog bližnjeg? Naš hleb nasušni? – Verujem: na ovoj rečici i odgovarajućem stavu, odlučuje se da li mi Boga primamo ili odbacujemo u našem životu. Bog je hleb. Ali samo tako što je On „naš“ hleb, podeljen u parčiće sa drugima. Ukoliko se suprotno ovome svakodnevni hleb nagomilava i sve više prikuplja u rukama i bankarskim računima manjine, koji se ničim ne mogu zadovoljiti: onda je on protiv Boga. Ono što treba da služi životu, više nije blagoslov već povod za zavist, strah, borbe oko raspodele, rat.

Tako mi Isus ovom malom molitvom Očenaš daje mnogo povoda za razmišljanje ali i za zahvaljivanje. Verujem, da Martin Luter u svom stilu još dalje povlači linije: pri ovoj molitvi se za njega ne radi samo o našem ličnom životu i kako da opstanem, već o uslovima neophodnim za to: da izaberemo dobru vladu, da je vlast odgovara za opšte dobro, da se suprotstavi neprijateljima koji pozivaju na zavist i nacionalni egoizam. U svom velikom Katehizmu (1529), Luter to ovako izražava: Tako je najneophodnije moliti se za svetovnu vrhušku i vlast kroz koje nam Bog najčešće daje hleb naš svakodnevni i sve ostale udobnosti ovog života. Jer i kada bismo odmah od Boga dobili sva dobra u izobilju, nijedno od njih ne možemo zadržati ili osigurati i u radosti koristiti, ako nam nije dao stabilnu i miroljubivu vlast. Jer gde je nemir, razdor i rat, tu je svakodnevni hleb već oduzet.

Nek nas Bog sačuva od toga i pomogne nam da činimo sve što je u našoj odgovornosti – za hleb naš nasušni. Amin