Miserikordias Domini

1.Petrus 1, 3-9

 

Wohin tote Hoffnungen führen können, das erleben wir in diesen Wochen erschreckend deutlich: Menschen, die hoffen, dass sie unsere freie Lebensweise in Europa durch Terror zerstören können; Menschen, die sich religiöse Hoffnungen machen auf einen Lohn im Jenseits dafür. Ihre kalten, gestorbenen Hoffnungen sind wie Gift. Sie machen Menschen zu Todbringern. – Wir sollen aber nicht angesteckt werden von kaltem Hass und toter Hoffnung. Deshalb ließ Gott Ostern werden. Damit wir eine lebendige Hoffnung bekommen. Hören Sie, wie der 1. Petrusbrief das ausdrückt: (Lesung des Predigttexts)

Lasst uns betrachten und nachspüren: Wie geschieht das, wenn wir wiedergeboren werden zu einer lebendigen Hoffnung?

Ich sehe auf Maria Magdalena vor dem leeren Grab. Sie steht für alle unter uns, die in diesen Wochen ein schweres, trauriges Herz haben: weil ein Mensch, den sie geliebt haben, gestorben ist. Und die Wunde ist offen. Denn der nahe Mensch fehlt – bei jedem Handgriff im Alltag manchmal, bei jedem inneren Gespräch mit ihm. Festhalten wollen wir unsere Geliebten. Aber unsere Hände greifen ins Leere: die Vergänglichkeit war stärker. Und doch: Menschen, denen jemand fehlt, bekommen manchmal ein weiteres Herz. Sie spüren es, wenn jemand Trost braucht, oder auch bloß Zeit, dass er sich mal aussprechen kann bei einem andern. Witwen und Witwer sind bei kirchlichen Kollekten oft mit an der Spitze der Gebefreudigen. Und wenn wir die vielen Menschen in Deutschland, die sich um Flüchtlinge kümmern, fragen könnten: Woher kommt denn euer Mitgefühl? - es wären nicht wenige dabei, deren Großeltern selber flüchten mussten oder aus ihrer Heimat vertrieben wurden nach dem Krieg. Wer am eigenen Leib oder in der Familientradition erfahren hat: du kannst es nicht festhalten, was dein Leben ausmacht, deine Liebsten ebenso wenig wie deinen Besitz, dessen Hände öffnen sich leichter, dessen Herz scheint mehr Raum zu haben für andere in Not. „Halte mich nicht fest“, hat der Auferstandene gesagt, als Maria Magdalena ihn an sich drücken wollte. Lebendige Hoffnung wird geboren, indem Christus im Geist uns nah ist, ohne dass wir nach ihm greifen können und zu unserer Verfügung haben.

Ich sehe auf den Jünger Thomas. Den hat es kalt erwischt. Er war nicht da, als Jesus nach Ostern seinen Jüngern erschien. Thomas, der Zögernde, der Zweifler, der Dünnhäutige: Er steht mir für Menschen, die nicht mithalten können. Weil sie ein Leiden tragen, das sie einschränkt oder an Bett und Rollstuhl fesselt. Auch seelische Leiden können solch eine schmerzende Fessel sein. Gewalt- und Missbrauchserfahrungen als Kind; Traumata durch Kriege, denen manche nur knapp entkamen. – Die ersten Hörer des Petrusbriefs waren näher auf der Seite solcher Leidenden, als wir vergleichsweise wenig gefährdeten Durchschnitts-Europäer. Sie mussten Nachteile, Diskriminierung, Verfolgung wegen ihres christlichen Glaubens erleiden. Hätten allen Grund gehabt, hart und bitter zu werden – oder aus dem Osterglauben rauszurutschen: wenn doch der auferstandene Christus ihrem Leiden nicht abhalf, ihnen die Schmerzen nicht nehmen konnte.

Aber genau dem dünnhäutigen, innerlich verletzten Thomas kommt Christus auf ganz besondere Weise nahe: er darf ihn spüren und berühren dort, wo’s wehtut: in seinen Kreuzeswunden. Die trägt der Auferstandene noch immer. Wie wenn er unsere Verwundungen adeln wollte und zeigen: Leiden hält den Lebensstrom nicht auf. Im Gegenteil: das Leuchten in dir, deine geistliche Gestalt, kann dadurch heller, deutlicher rauskommen. Wie Gold, das ausgeglüht wurde, geläutert. Leiden kann Menschen „hochkarätig“ machen – nicht zu glauben! Aber Christus selbst steht dafür. Und hält sich uns hin: auf dass wir mit allem, wo’s uns wehtut, ihn da berühren mögen, wo es ihm wehtut. So wird lebendige Hoffnung geboren. Indem Glut überspringt. Glühender Schmerz oft. Der den Keim und die Verheißung trägt zu innerster Liebesglut, - wir wissen nicht, wie. Wir erleben nur staunend, was gerade aus leidenden und eigentlich nur noch bedürftigen Menschen sich schenken kann an Würde, Menschlichkeit, - Liebe.

Wie wird uns lebendige Hoffnung geboren? sind wir am Fragen und Tasten. Ich bin da, sagt Christus, indem du mit offenen Händen leben lernst: Wie Maria von Magdala. Sie wird frei von der Angst vor Vergänglichkeit. - Ich bin dir nah, lädt Christus ein, indem du dünnhäutig, verwundbar zu leben wagst: Wie Thomas, der nicht nah genug sein konnte diesem Brennen. Er verliert die Angst vor dem Leiden. - Als drittes Beispiel, wie lebendige Hoffnung wächst, will ich die Emmausjünger betrachten. Sie plagt die Unsichtbarkeit. Jesus ist weg. Für immer. Selbst wo er als Dritter mitgeht auf ihrem Weg nach Hause. So traurig das alles mit ihm. Aber was will man machen? Damit stehen sie wohl für uns alle. Wir sind gewohnt: glauben und verlassen können wir uns auf das, was wir sehen, was wir wissenschaftlich berechnen können. Und was sehen wir? Gründe der Vernunft, Grausamkeiten der Weltgeschichte, die sagen: Ostern? – Hirngespinste das! Tot ist tot, und der Stärkere hat Recht. Erhoffen wir lieber nichts, was unserer Lebenserfahrung widerspricht. Dann können wir schon nicht enttäuscht werden.

Doch genau zu diesen beiden, deren Hoffen gefangen ist im Realismus, setzt sich der Auferstandene zu Tisch. Bricht das Brot, reicht den Wein. Und indem sie ihn erkennen, entzieht er sich ihren Augen. Seither verlernen Christen, den eigenen Augen allzu sehr zu vertrauen. Seither sind wir in einer Schule, wo die Augen unseres Herzens sehen lernen. Wo sie den Samariterblick bekommen, der denjenigen nicht übersieht, der unter die Räuber gefallen ist. Weil es auch für ihn und für alle, die so dran sind wie der Niedergeschlagene und Ausgeraubte, lebendige Hoffnung geben soll und wird. Und unsere Herzensaugen bekommen in der Sehschule des auferstandenen Christus vor allem den Sehnsuchtsblick. Wie bei den Petrusbrief-Empfängern, denen geschrieben wird: „Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb.“

Sehnsucht nach dem Auferstandenen öffnet die Herzen. Wo lebendige Hoffnung geboren wird, sind Menschen nimmer restlos bei sich – so als ob ihre Seele ihnen vorausgehen wollte. Sie sind verwundeter, solche Menschen, die zur lebendigen Hoffnung geformt werden. Verwundeter und zugleich getrösteter als zu Zeiten, wo ihnen nichts zu fehlen schien, auch kein Christus. Der da unsichtbar gegenwärtig ist, zieht an unseren Herzen, zieht immer größere Liebe heraus zu Gott und Mensch. Und lässt der Seele Arme wachsen, - die strecken sich aus voll Verlangen und lebendiger Hoffnung: bis wir uns wiederfinden in den Armen Gottes – und seine Seligkeit mit der unseren eins wird von Angesicht zu Angesicht in einem ewigen Kuss.

Pfarrer Hans-Frieder Rabus

 

 

1. Petrus 1, 3-9

 

Kuda ovde mrtve nade, jasno vidimo poslednjih nedelja: ljudi koji se nadaju da će slobodan način života kod nas u Evropi moći da unište terorističkim napadima; ljudi koji stvaraju religionznu nadu, da će za to dobiti nagradu na drugom svetu. Njihove hladne, umrle nade su kao otrov. One ljude čine smrtonosnim. – Međutim, mi ne smemo biti zaraženi hladnom mržnjom i mrtvom nadom. Zato je Bog dozvolio Usrks. Da bi mi dobili živu nadu. Čujmo kako to izražava 1. Petrova poslanica: (čitanje teksta za propoved)

Hajde da posmatramo i da osećamo: Kako se dešava, kada se mi nanovo rodimo u živu nadu?

Pogledam Mariju Magdalenu ispred praznog groba. Ona stoji u ime svih nas koji ovih dana imamo teško, tužno srce: jer je osoba koju ste voleli preminula. Rana je otvorena, jer bliska osoba nedostaje – pri svakom pokretu u svakodnevici, pri svakom unutrašnjem razgovoru sa tom osobom. Mi želimo da zadržimo naše ljubljene, ali naše ruke nailaze na prazninu: prolaznost je bila jača. Ipak: ljudi, kojima neko nedostaje, nekad dobijaju šire srce. Osećaju kada je nekome potrebna uteha ili samo vreme da može da razgovara sa nekim. Udovice i udovci su često pri prikupljanju crkvenog priloga na vrhru darodavaca. A kada bi sve te ljude koji se u Nemačkoj brinu o izbeglicama mogli da pitamo: Otkuda vaše sažaljenje? – među njima ne bilo malo onih koji kažu da su njhove bake i deke morale da beže ili su posle rata bili prognani iz njihovih zavičaja. Onaj ko je lično osetio ili iz porodične tradicije zna da se ne može zauvek zadržati ono što čini naš život, ni voljene ljude ni imovina, njegove ruke se lakše otvaraju, u njegovom srcu kao da je više mesta za druge ljude u nevolji. „Ne dotiči me“, rekao je Vaskrsli, kada Marija Magdalena htela da ga zagrli. Rađa se živa nada, tako što nam je Hrist blizu u duhu, iako ne možemo da da dotaknemo i da ga imamo smo za nas.

Vidim i učenika Tomu. Tek njemu nije bilo dobro. On nije bio tu kada se Isus objavio učenicima posle vaskrsnuća. Toma, onaj koji okleva, sumnja, koji je osetljiv: njega vidim da stoji u ime ljudi koji ne mogu da idu u korak sa drugima, jer nose patnju koja ih ograničava ili ih vezuje za krevet, za invalidska kolica. I duševna patnja može da predstavlja takvu vrstu vezanosti. Nasilje, zlostavljanja koje je neko koživeo još kao dete; traume zbog ratova u kojima su neki jedva preživeli. – Prvi slušaoci Petrovog pisma su bili biži ljudima koji su na ovaj način patili od nas, ne zaista ugorženih, prosečnih evropljana. Oni su morali da pondose značajne posledice, diskriminaciju, progonstvo zbog svoje hrišćanske vere. Imali su dovoljno razloga da postanu ogorčeni i tvrdi – ili da na osnovu Uskršnje vere izađu iz toga: iako vaskrsli Hrist nije pomogao u njihovoj patnji, nije ih poštedeo bola.

Ali upravo tom osetljivom, povređenom Tomi se Hrist objavljuje na poseban način: on može da ga oseti i dotakne na ona mesta gde boli: njegove rane sa krsta. Vaskrsli ih još uvek ima. Kao da hoće da nagradi naše rane i da pokaže: patnja ne zaustavlja reku života. Upravo suprotno: to svetlo u tebi, tvoje duhovno biće, može na osnovu toga da bude svetlije, sjanije. Kao zlato koje se pretapa, žari. Patnja može čoveka da učini „visokokaratnim“ – neverovatno! Sam Hrist stoji kao potvrda toga. On nam se daje: da mi sa svim što nas boli možemo da dotaknemo njega, tamo gde ga boli. Tako se rađa živa nada. Žar se prenosi, često bolni žar, koji nosi seme i obećanje to najdubljeg žara ljubavi, - ali ne znamo kako. Samo zadivljeni doživljavamo kako iz ljudi koji pate, koji se nose sa silnim potrebama potiče dostojansvo, ljudskost, - ljubav.

Kako nam se rađa živa nada? Pitamo li, opipavamo li? Tu sam, kaže Hrist, tako što učiš da živiš širom raširenih ruku. Kao Marija. Ona je oslobođena straha od prolaznosti. – Blizu sam, poziva Hrist, tako što se i ti osetljivi i povređeni usuđuješ na život: kao Toma, koji nije mogao biti dovoljno blizu tom gorioniku. On se oslobađa straha od patnje. – Za treći primer kako živa nada raste, želim pa posmatram učenike na putu za Emaus. Njih muči nevidljivost. Nema Isusa. Zauvek. Čak i kad on kao treći ide sa njima putem. Toliko su bili tužni. Ali, šta da se radi? Sa ovim pitanjem zastupaju sve nas. Mi smo navikli da verujemo i da se pouzdamo u ono što vidimo, što možemo naučno da posmatramo. A šta vidimo? Razloge razuma, strahote svetske istorije koje kažu: Vaskrs? – Ma to je ludo! Mrtvo je mrtvo, i jači je u pravu. Bolje je da se ne nadamo ničemu što se suprotstavlja našem životnom iskustvu. Onda bar nećemo biti razočarani.