Sexagesimae, 08. Februar 2015

Das Gleichnis vom Sämann - Lukas 8, 4-8

Was gibt es hier eigentlich zu hören, liebe Gemeinde? Zunächst einmal ist das ja nicht mehr als eine Alltagsgeschichte aus dem Palästina zur Zeit Jesu. Ein Sämann geht zur Saatzeit über das Feld. Vor sich trägt er umgebunden in einem Tuch seine kostbare Saat. Nun streut er sie aus auf den Acker - mit hleichmäßigem, weit ausholendem Wurf. Saisonarbeit. Den Zuhörern Jesu ist dieses Bild vertraut. Nicht wenige von ihnen arebeiten selbst auf den Felder. Doch dieser Sämann ist anders. Vielleicht ist er nicht ganz bei der Sache oder von der stechenden Mittagssonne benebelt jedenfalls geht er sehr verschwenderisch um mit seinem Saatgut. Vielleicht würden wir sagen: nachlässig. Denn er wirft es nicht nur in die Acherfurche, sondern verstreut es weit darüber hinaus: auf den Weg, auf den Felsen und unter die Dornen.

Wissen Sie, wie heute gesät wird?

Ersten, heute werden Traktoren benutzt. Und es sind keine einfachen Traktoren mehr, zumindest in den EU-Ländern. Sie haben ein GPS System. Wenn der Bauer zum Säen auf seinen Acker fährt, ist der Acker schon längst im Satelliten nummeriert und einprogrammiert. Der Satellit sieht sofort, wo Steine sind, Fahrstraßen, steiniger Boden, Boden mit guter Erde und Boden mit sehr wenig Humusschicht. Dank dieser Aufnahmen wird die Sämaschine voll-automatisch so gesteuert, dass absolut kein Saatkorn auf unnützen Boden geworfen wird. Dadurch wird sehr viel teures und kostbares Saatgut gespart. Gleichzeitig spart der Bauer Geld. Saatgut kommt nur auf fruchtbaren Boden, keinerlei Verschwendung mehr. Sichere Saat, sichere Ernte, solange das Wetter mitspielt. Das ist säen auf moderne Art.

Nur war damals ein Acker nicht so bereinigt wie heute. Da gab es eben auch den einen oder anderen Felsbrocken im Fled oder es ging ein Trampelfad mitten durch. Und man könnte sagen: "Na ja, das passiert dann eben, dass etwas daneben geht. Da lässt sich nicht vermeiden. Aber den Großteil seiner Samenkörner, den wird dieser Sämann doch sicher auf den fruchtbaren Acker ausgestreut haben. Der versteht ja schließlich sein Handwerk."

Doch so steht es nicht in unserem Text. Da steht nicht: Hier der Großteil und dort nur weiniges. Ganz betont steht viel mhr jeweils "einiges". Für jeden samenwurf gilt: Einiges fiel unter die Dornen, einiges auf den Felsen, einiges auf den Weg, und immerhin - aber eben auch nur - einiges auf das fruchtbare Feld. Das heißt nun aber: Drei Viertel des Saatgutes werden einfach vergeutdet. Unnütz verschleudert. Ökonomisch effizient ist das nicht. Das was der Bauer hat, streut er halt aus. Vorbehaltlos. Ohne danach zu fragen, wohin es fällt und wlche Chancen auf einen fruchtbaren Ertrag bestehen.

Wenig später heißt es bei Lukas: Der Same abe ist das Wort Gottes. Das bedeutet dann: Die Adressaten dieser Saat, der Erdboden, das sind wir. Und wir bieten diesem Wort Gottes, der Quelle des Lebens, einen sehr gemischten Boden. Nicht alles in uns ist bereit, dieses Wort aufzunehmen. Nicht alles ist fruchtbar. Können wir uns jetzt das Beispiel vom Säen, das Christus erzählt, mit GPS vorstellen? Nichts fällt auf steinigen Boden? Nichts fällt mehr unter die Dornen? Nur noch reiche Ernte? Unser Gleichnis bekäme eine völlig neue Bedeutung.

Das Wort Gottes fiele nur noch auf fruchtbaren Boden. Nur  noch hunderfältige Frucht. Aber Jesus sagt etwas Anderes: der Säemann wirft Körner auch auf Felsen und Saatgut unter Dornen. Bei Gott gibt es keinerlei Berechnung von Effizienz. Das Thema Gewinnmaximierung ist gestrichen. Das gitb es bei Jesus nciht. Der Sämann ist großzügig. Jesus ist großzügig mit seiner Botschaft. Saatgut soll überall hin damit es überall wachsen kann. Jeses Stück Erde ist ihm ein Samenkort wert.

Was sagt uns dieses Gleichnis heute? Wenn wir der Erdboden sind: zu welcher Bodenart gehören wir? Bich ich guter Boden, Felsen oder Dornen-Boden? Ich muss gestehen, dass in mir, in meinem Herzen, alle vier Böden zu finden sind. Manchmal bin ich auch zu stur, zu hart, einfach "zu" - und lasse ncihts an mich heran. Manchmal bin ich schnell begeistert und dann fehlte Zeit. Und meiner Begeisterung ging die Luft aus. Das wollt ich dieser Tage eigentlich gemacht haben, - aber... Und Manchmal halten mich auch die Sorgen gefangen, sind wie viele kleine Dornen. Sorgen, die dafür sorgen, dass ich nicht atmen kann, nachts nciht schalfen kann, weil ich mich immer wieder fragen muss: Wie? Wieso? Und warum? Nehmen diese Sorgen überhand, wird unser Tagesablauf haupsächlich davon bestimmt, dann ist da kein Platz mehr für das Wort Gottes. 

Auf all diese Landstirche in uns streut Gott seine Saat aus. Denn Gott geht es nicht darum, wie wir heute sind. Es geht ihm darum, was aus uns werden kann. Er schenkt uns sein Wort gerade auch dann, wenn wir uns unter den Dornen verkriechen oder wenn wir alles an uns wie an einem Felsen abprallen lassen. Ober wenn wir eilig und getrieben unsere Wege dahinrennen. Denn da brauchen wir es umso nötiger. Der Gott. der wie der Sämann seine Sa,em verschwenderisch austeilt, gibt niemanden und niemals auf. Und wer weiß denn, ob das, was heute noch Dornenlandschaft ist, morgen nicht doch ein Quellort der Fruchtbarkeit sein wird?

Wenn wir das Wort Gottes in unseren Alltag mitnehmen, es empfangen, wenn wir das Saatgut Bibel in unsere Bedürfinsse und Wünsche einfließen lassen, kann es dort auch Frucht bringen. Und zwar hindertfach - auch in unserem Leben.

Amen.